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"Die Vielen leben in Kausalitätsketten gefangen..."

 

 

"Wie läßt sich aus dem,
was da ist,
was scheinbar nicht ist,
gewinnen?
"


Wenn es einerseits ein »idealistisches« »immaterielles« Denken im Sinne Berkeleys gibt und andererseits ein Denken »wirklicher wissenschaftlicher Wahrheit«, der als
Gewißheitsgrundlage die Prädikate »notwendig« und »allgemeingültig« beigefügt sind, könnte es ja sein, dass beide Teilaspekte einer umfassenderen Wahrheit sind und dass es darum geht, das jeweilige Denken nicht gegen das andere zu setzen, unter der Annahme, dass das eine dem anderen widerspricht und dass das eine das andere ausschließt, sondern dass es darum geht, beides jeweils denkerisch so weit wie nur möglich zu erfassen und zu versuchen, es von daher (neu) in Beziehung zu setzen.

Ausgehend von dem Grundgedanken, dass das Kausalitätsprinzip als ein von Kant aus dem Empirischen herausgearbeitetes als »notwendig« und »allgemeingültig« erkannt (und) ein Prinzip der »Form« im aristotelischen Sinne ist, als auch eine Kategorie des Verstandes, d.h. eine »Form apriori«, und dass es, sowohl - bezogen auf das Handeln des Menschen - »subjektives Sein« ebenso wirklich gründend, hervorbringen und geradezu / gewissermaßen "produzieren" kann, wie auch - bezogen auf die Struktur der "Welt" und des "Seins selbst" - sogenanntes »objektives Sein«, also ein wirklich aktives und wirkendes "Gründen", und dass es einerseits (immer wieder) notwendig ist (und wird) bestehende Kausalitätsketten immer dann zu durchbrechen, wenn sie sich in ihrem Fortbestand in einem sich steigerndem Maße als regressiv erweisen und (immer) repressiv(er) und somit destruktiv zu werden drohen, andererseits aber bestehende Kausalitätsketten - gemäß der Erkenntnis der Ewigen Wiederkehr - so lange währen, bis sie vermöge eines erneuten Denkens durch - bzw. unterbrochen werden, komme ich zu dem Schluß, dass einmal zur

Existenz gelangte Kausalitätsketten, die ihre Destruktionskraft zeigen, nur unterbrochen und ihrer Wirkkraft entzogen werden können, wenn es gelingt, eine im Akt des Denkens entstehende Einheit eben nicht "systematisch", sondern vom Metaphysischen her im Raum des Metaphysischen aufzustellen, um so der Epiphanie möglichen Raum zu verschaffen.

Man müßte nach aristotelischen Termini vorgehen, gemäß der Begriffe des »Begründungszusammenhanges«: »Urhyle«, »Urform« und, was vor allem den Denkenden selbst betrifft, auch gemäß dem der »Steresis« (1), wobei ich von der Annahme ausgegangen bin, dass ein solcher Begründungszusammenhang eben weder vom Religiösen her (wie im Mittelalter geschehen), noch in einem die Vernunft verabsolutierenden Sinne (wie es im Überschwang als Folge des Zeitalters der Aufklärung in der Französichen Revolution geschah und durch Hegels "Begriff" der absolut gesetzten Geschichtsphilosophie geschehen ist) vereinnahmt werden darf - [und somit für das Denken "besetzt" wäre mit dem Anspruch, ein für alle Mal ‚die' Ewigkeit (als Dieses) gefunden (und somit 'gefangen' bzw. dingfest gemacht) zu haben] - , sondern vielmehr fundierend auf der Definition des Aristoteles der "Urhyle", welche ja "das benennt, welches der Wirklichkeit nach kein Dieses, dem Vermögen nach jedoch ein Dieses ist".(2)
Ein solcher Begündungszusammenhang, welcher dem Vermögen nach sowohl subjektiv als auch objektiv seinskonstituierend ist, kann nur "in der Sprache", d.h. auf sprachlicher Ebene, also "inner-sprachlich" (wenngleich "vorbegrifflich") vollzogen werden und "sich ereignen" und steht somit - sowohl vom Religiösen her, als auch vom rein Rationalen her - jedem nach Freiheit strebendem Individuum zu.

Durch die Ereignisse der letzten Zeit ist der für die Epiphanie notwendige Raum wieder gegeben.

Michael Kania


 

 

Anmerkungen

1   David Neumark: Geschichte der jüdischen Philosophie des Mittelalters,
S.303 - 308    ( zurück )
2   (a.a.o. S.349)   


 

 

 

 



Think


 

 

"Schöpfung und Neuschöpfung"

 

 

Die Schöpfung ist von Grund auf ein einziges Konglomerat von Zeitlichkeit und Überzeitlichkeit (Ewigkeit) und damit ein `einziges Gerät´, nämlich eine `unbekannte und darin zugleich vollkommen definierte Person´, welche in der reinen Tätigkeit zugleich `aus sich selbst hervorsteht´ (ek-sistiert) und sich selbst wesentlich ist.

Insofern ist die Fortführung des schöpferischen Prozesses in ihrer `Gleichzeitigkeit als Person´ beständig vom `aus sich Herausstehen´ und vom `sich selbst wesentlich Sein´ her der `sich im Werden ständig neu formierenden Betrachtung´, die der Mensch als Einheit des `sich selbst wesentlich Seins´ ist, andauernd in Gefahr, da nämlich die Tätigkeit in ihm selbst schon als Produkt von einem möglichen Ende her erstarrt ist und die Person dadurch in das Dunkel ihrer verborgenen Eigentümlichkeit als `angefangen Haben des Anfangs´ zurückfällt.

Die notwendige Sicherheit über den Fortgang der Schöpfung kann also nur dadurch erlangt werden, das in dem Gerät Gegebene des Vorvermitteltseins von Person und ihrem `sich aus sich zum Behufe des immer neuen Seins von Schöpfung Heraustuns´ nachempfunden (als das zuhöchst Künstliche und Kunstreiche der Natur) und schließlich nacherfunden wird, und zwar jetzt vom Ergebnis des `immer neuen Seins´ her als immer neue Gerätschaften.

In diesen wird das Tätige der Schöpfungsperson endgültig in ihrer möglichen und zugleich existierenden Erstarrung, nämlich als Naturgesetz, in Kauf genommen, wobei durch dieses `in Kauf nehmen´ - welches ja ein `Angebundensein´ des `wesentlich Existierenden des Schöpfers in der Schöpfung´, also des Menschen, an das Tun oder an die `weiter stattfindende Unmittelbarkeit der Schöpfungsäußerung´ ist – ein Loskauf von diesem Angebundensein durch die aus ihrem Verborgensein offenbar hervorkommende göttliche Schöpfungsperson dergestalt stattfindet, dass der Mensch die Unmittelbarkeit der tätigen Person als die Tätigkeit des `sich selbst ständig neu bestätigenden Naturgesetzes´, also des fortbestehenden vermittelnden Apparates (vermittelnd zwischen der Schöpfungsperson und der Unmittelbarkeit ihres Tuns) stattfindet.

Im Erfinden immer neuer Geräte setzt sich also das Naturgesetz und nicht mehr die Natur eines Schöpfers, darin aber der Schöpfer als `über die Natur hinausgehende Natur´ dergestalt beständig fort, dass der Schöpfer zu seiner Natur als Tätigkeit wird und damit im Zuge immer neuer Veränderungsschritte eine Verewigung der reinen Vermittlung von Schöpfer und Schöpfung, also der Allgemeingültigkeit der Schöpfung stattfindet.
Jetzt ist also die Schöpfung und nicht mehr der Schöpfer unendlich, wobei die Folge die ist, dass der Mensch seiner Möglichkeit nach – also als Subjekt – nicht mehr mit sich als Person, d.h. als total `selbst Hervorbringender´ zusammenhängt.

Von daher besteht zwingend die Notwendigkeit einer Rückkehr zum personalen Schöpfungsursprung, bei welchem das universale Schöpfungsgerät dann nicht mehr ein beständig Weitertreibendes, sondern von seinem `zum Sein geworden sein´ her zu einem Gerät des Gerichtes würde, wobei das Gericht dahingehend stattfinden würde, dass beurteilt werden müsste, ob das `universelle Gerät´ von der neu gewordenen Unmittelbarkeit her richtig nachempfunden und nacherfunden worden ist.

Von daher muss man nun betrachten, welchen Lösungsvorschlag das Mittelalter, welches im Hinblick auf die Schöpfung den – zumindest scheinbaren – Gegenentwurf darstellt, für dieses Dilemma bereithält.

Das Mittelalter ließ im Hinblick auf Schöpfung die totale Zweiheit von ìmmer weiter gehender, ursprünglich fortbestehender und fortwesender Schöpfung´ auf der einen Seite und vollendeter Schöpfung auf der anderen Seite, zu.
Die fortbestehende ursprüngliche Schöpfung, also das Weiterschaffen (in die Weite bringen) war die dem Menschen aufgetragene und als Sein delegierte Tätigkeit des Geschöpfseins als einer `immer neuen das Geschöpfsein affirmierenden Geschöpfwerdung´. Sie war also die reine, noch nicht in ihre Existenz gekommene´, nur durch Wiederholung existierende, sich selbst wesentliche Tätigkeit.
An dieser Tätigkeit war nichts Nachempfundenes oder nacherfundenes; vielmehr wurde in ihr die fertige Schöpfung beständig neu erfunden und damit zugleich als noch nicht fertige, sondern fortschreitende – in der Widerlegung des Fertigen als eines sterilen Zustandes – bestätigt.
Daraus entstand das Fertige der Schöpfung als Sinnlichkeit oder Genuss (die Oberschicht), wobei dieser Genuss nichts anderes sein sollte, als das Erscheinen des Geschöpfes als eines einzigen (Christus).
Dieses `einzige Geschöpf´ ist dasjenige, welches die `im Weitergehen des Schöpfungsursprungs´ als `Tätigkeit des Genusses´ gefangenen Geschöpfe zu einer Verbindung mit der Schöpfungs-person auf die Weise bringen wird, dass es das Unendliche an dem abgeschlossen –unabge-schlossenen Schöpfungsprozess dem in der Zerrissenheit zwischen Beidem gefangenen, zwangsverendlichten Geschöpf, welches dies Unendlichkeit selbst schuldig blieb, gegenüber der dann wiederkehrenden (Gericht) Schöpfungsperson zur Verfügung stellte.

 

Wo blieb nun also im Mittelalter der Zusammenhalt der Schöpfung in einem Kontemplation und Arbeit vermittelnden Allgemeinen? Wo blieb also die Schöpfung als `Gerät aller Geräte´, welches im Sinne und zum Zweck einer ständigen ´Schöpfungsverbesserung´ durch `gute Werke´ (Produkte) und durch Strafen (genau abgestufte) bedient werden muss?

Es blieb natürlich bei der universalen kirchlichen Institution. Diese brachte im Grunde genommen das Sein des Universellen = der Unendlichkeit durch das `beständige Herstellen der Gleichheit von (gerecht-) Sein und (gerecht-) Werden´, also wahrnehmen des Gerechtseins als eines `immerwährenden Noch-nicht´ durch die ständige Fragmentierung in einzelne Vermittlungsakte zu Fall.

Dadurch wurde das spezifisch moderne Nacheinander von `auf sich beruhender (immer schon gerechter) seiender Individualität´ und sich, im Sinne des Gerechtwerdens, unendlich messender Kollektivindividualität hergestellt und damit genau das, was das Bürgertum dann in eigener Regie übernahm, indem es die Erwartung der Einen Geschöpflichkeit entpersonalisierte und damit zu einer Vielzahl von Subjekten – also letztlich transzendent – werden ließ.

 

Die Transzendenz und damit die Einheit (=Gleichzeitigkeit) dieser Vielzahl von Subjekten wurde nun wieder zu einer vollkommen leeren Transzendenz, dergegenüber jedes Subjekt sich selbst als diese Gleichzeitigkeit, ohne eine wirkliche Vorgängigkeit und Vorgegebenheit derselben, sich wahrzunehmen hatte.
Es gab also nichts mehr, von dem aus das Subjekt in seiner Selbstheit sich als möglicherweise anderes Selbst wahrnehmen konnte.
Von daher ist diese `Gleichzeitigkeit mit dem Ende´, d.h. mit der wiederkehrenden Schöpfungs-personalität – und von daher das `schon Ein Geschöpf sein´ - im Grunde genommen ein reiner Glücksfall respektive auf die Erwählung der weiterhin im Dunkeln bleibenden, also das Sein verneinenden Individualität gestellt.

In beiden Fällen, sowohl im Falle der mittelalterlichen Kirche, wie auch in Falle des neuzeitlichen Bürgertums, wird das Wesen der Selbstvermittlung Gottes in der Schöpfung dahingehend miss-verstanden, dass sie nicht als das Moment in der und durch die Schöpfung stattfindenden Selbst-offenbarung Gottes gesehen wird.
Die Schöpfungsmaschinerie ist lediglich dasjenige, worin der Schöpfer sich in seiner vollkom-menen Freiheit als eine totale Vorläufigkeit im Hinblick auf `das andere seiner selbst als des Seins´, also im Hinblick auf die Freiheit des anderen als Selbstaffirmation betrachtet.

Daraus folgt, dass der Einzelne im `Seinlassen der allgemeinen Selbstvermittlung Gottes´ diese Selbstvermittlung als `für sich Sein´ empfängt und darin Gott zu ihm selbst werden lässt, sodass er sich beständig im Seinszustand des `Gottwerdens´ befindet.
Dadurch wird der Mensch – als er selbst, doch nicht von sich selbst her – zur Maschinerie der Schöpfung, was einer Gleichwerdung mit dieser Schöpfungsmaschinerie bei gleichzeitiger Widerlegung derselben als eines sich selbst affirmierenden Gesetzes zugunsten einer reinen Personenverbindung mit Gott gleichkommt.

 

Nun ist es aber so, dass die allgemeine Selbstvermittlung Gottes das reine Produkt des Selbst-offenbarungswillens Gottes im Hinblick auf den Menschen als auf das `bloß andere´ oder im Hinblick auf das `entblößte Anderssein Gottes´ in seinem Willen zur Selbstverwirklichung als Freiheit in dem Wesentlichen seines Seins als in dem anderen, ihn frei affirmierenden und darin erweiternden (also in dem Menschen) ist.
Gegenüber dieser total diastatischen Freiheit, welche nur durch den `a priori mit Gott identischen´ und `a posteriori mit Gott nicht identischen´, darin aber gerade zur Identität mit Gott im `Hindurch-gehen durch die Diastase´ hinführenden Selbstoffenbarungswillen Gottes, überwunden wird, ist nun die Selbstvermittlung Gottes das reine Dasein, nämlich einer ursprünglichen Verbindung, die ihre Existenz allein im `Hervorführen des Menschen als des anderen´, dessen Ganzheit dadurch wird, hat.

Demnach entsteht der Eindruck einer stehengebliebenen Schöpfung, die eigentlich nichts anders ist, als der stehengebliebene, d.h. an seiner Vermittlung durch Er-schöpfung stehen- und hängen-gebliebene Selbstoffenbarungswille Gottes.
Es erhebt sich also die Frage, wie ein Weiterkommen im Angesicht dieser als Schöpfung maskierten Offenbarung, die in sich ein einziges Weitermachen und zugleich ein schon längst Weitersein, (aber ohne Zusammenhang zwischen `Weitermachen´ und `Weitersein´ in einem die Wirklichkeit dieses `Weitermachens´ und `Weiterseins´ realisierenden Sinne) ist, möglich ist.

Denn es ist ja jetzt offensichtlich so, dass die Wirklichkeit der sogenannten Natur an diesem Punkt lediglich der `in sich selbst zurückgegangene Selbstoffenbarungswille Gottes´, also Gott selbst (der sich durch die Schöpfung `aus sich selbst heraus´ und `zu sich selbst hin´ entblößt hat) ist, wohingegen die Verwirklichung jetzt der `aus sich selbst herausgegangene Selbstoffenbarungs-wille Gottes´ - gewissermaßen der `entselbstete Gott´ - also der Mensch in seinem Zerrissensein zwischen dem `Gott erweitern sollenden´ Wesen Gottes (als neues Sein) und dem sich selbst erweitern wollenden Gott, ist.

Welche Möglichkeiten gibt es nun also auf der künstlerischen Ebene, um mit diesem von der Offenbarung her gnädig verhüllten Riss, der die Natur selbst zu sein scheint, umzugehen?

 

Da Gott in seinem Selbstoffenbarungswillen jetzt ganz er selbst ist, demnach also `Person´, also ein `als Geist immer schon und immer wieder zu ihm selbst Zurückgekehrtsein´ des aus ihm herausgetretenen freien Wesens, teilt er dieses `zu ihm selbst Zurückgekehrtsein´ dem aus ihm herausgetretenen freien Wesen als Verhüllung der scheinbaren oder vermittelten Vollendung in einer sinnlichen Vollendung durch ihn selbst als durch den `in sich ruhenden Geist´ dergestalt mit, als er die Sinnlichkeit als einem `in sich ruhen des Geistes´ in seinem `an sich´ als ein gleichfalls vollkommen in sich ruhen Dürfen der Sinnlichkeit und somit als Herrlichkeit des Selbstoffenbar-ungswillens in einer erscheinenden Selbstverwirklichung mit.

Hierbei wird der Riss zwar nicht aufgehoben, aber dergestalt vom Fortwähren des Offenbarungs-willens her in sich reflektiert und `nach vorne´ zurückgenommen, dass das Stehengebliebene der Schöpfung in der Aufdringlichkeit der Selbstvermittlung (die zu Lasten des Menschen geht) vom Licht, d.h. von der ursprünglichen Intention des sich Offenbarens her, vollkommen als Täuschung durchleuchtet und in dieser Täuschung zugleich vollkommen gelassen wird.
Das Fortschreiten der Offenbarung vom `in der Natur manifest gewordenen Willen´ (Wirklichkeit) zum `an der Natur und durch die Natur manifest werdenden Punkt der Verwirklichung´ wird also durch die Verewigung von Letzterem anhand von Ersterem entschieden.
Es erfolgt also eine Verzeitlichung des Offenbarungswillens als `Geist der Natur´ und eine Verewigung der Offenbarungsverwirklichung als `Gewähren´ einer vergeistigten Sinnlichkeit.
Somit erfolgt also eine Verkehrung oder Versprachlichung des eigentlichen Verhältnisses, indem nämlich der ursprünglich ewige Offenbarungswille zu einer permanenten, also zeitlichen Ver-äußerung gebracht wird, sodass das ursprünglich Zeitliche, nämlich das sinnlich Erscheinende als Verwirklichungsform zu seiner Ewigkeit in einem immer neuen Hier und Jetzt des Empfangens der Bewegung des Geistes im in sich Ruhen der Erscheinung gelangt.

 

Die ist eine `in sich erstarrte Unendlichkeit´, bei der das Eigentliche ebenso entäußert ist, wie es in dieser Entäußerung als `noch in sich Ruhendes´ fortwirkt. Die Natur wird dabei zum gebannten, weil vollkommen durchleuchteten Abgrund oder Riss.

Es ist vollkommen klar, dass eine solche Bannung und das daraus resultierende Gleichgewicht schließlich und endlich an der im Sprung erfolgenden `nicht identischen Identität´ von Offen-barungswillen und Offenbarungsverwirklichung scheitern muß, da ja der in sich ruhende Geist durch sein `Immer wieder´ d.i. durch seine Verzeitlichung endgültig im weiteren Verlauf in einen Zustand geraten muss, der kein Zustand mehr ist, nämlich in den Zustand der Ent-scheidung anhand der vollkommenen Scheidung und Unterscheidung der Geister in der scheiternden Erkenntnis der Offenbarung als Willen, nämlich in der endgültig zur Form gewordenen Formlosigkeit des Geistes als Individualität.

Diesem Zustand des `immer noch an die Ganzheit gehaltenen Fragmentiertseins´ verschiedener Individualitäten entspricht auf der Seite der Sinnlichkeit die endgültige Sehnsucht nach dem Einssein durch das aus den verschiedenen Individualitäten Hervortretende einer einzigen Individualität, in welcher der `in sich ruhende Offenbarungswille in diejenige Erscheinung eintritt, die die verewigte Sinnlichkeit schon immer ist und die dadurch ihrerseits den ursprünglichen Offenbarungswillen als `neu entspringenden in der Verwirklichung´ annehmen kann.
Dies ist dann der christliche Ansatz.

 

Der eine ewige Augenblick der klassischen Antike (s.o.), der sich immer wieder verzeitlichen konnte, der in dieser immer wiederkehrenden zeitlichen Erfüllung aber niemals bei sich im `Sichgehören´(Eigenen, Eigentümlichen) der Verewigung des einen Augenblickes ankam, war also im Grunde genommen von der Möglichkeit der Verzeitlichung her auf die Darstellung des Ewigen, also auf eine `verewigte Zeitlichkeit´ und somit letztlich `verzeitlichte Ewigkeit´ begrenzt; es fehlte ihm also die Dimension des Fortwirkens von Ewigkeit in Zeit, also die Dimension der Zukunft, also der vollkommen freien Wiederkehr der Zeit aus der Verewigung in die Erneuerung der Ewigkeit durch Zeit, als den in den Begriff gekommenen Willen.

Die Verwirklichungsseite der Offenbarung hielt also letztenendes den reinen Selbstoffenbarungs-willen in ihm selbst gefangen, d.h. er konnte nicht frei als ein `vollkommen von neuem wieder-kehrender´ für die sich selbst verwirklichende Offenbarung, d.h. als ein wirkliches Gegenüber für das in dieser enthaltene Subjekt hervortreten.

Die sich selbst verwirklichende Offenbarung, also die Mensch werdung, war also im Grunde genommen, als ein in seiner Reinheit `immer wieder neues Sein´ , dem Selbstoffenbarungswillen durch das Reinhalten des Maßes weggenommen worden.
Die Neuwerdung Gottes im Menschen war also ein `immer wieder neu Gewordensein´, also letzt-lich ein Faktum, ein Sein des Seienden, nicht aber vom `Sein selbst´ her erfahren und somit, obwohl die Wahrheit als `immer neue Begeistung und Begeisterung´ zugegen war, nicht vom Sein selbst her verifizierbar, d.h. zu seiner Wahrheit als zu dem Währenden des Ursprünglichen von Sein gelangt, also nicht authentisch verifizierbar.

Von daher hat die Antike niemals den Einzelnen in seiner Repräsentanz, d.h. in seiner absolut einzelnen Verantwortlichkeit dem Ganzen gegenüber erreichen können. Der Einzelne war immer irgendwie `naiv´ dieser Einzelne in seinem konkret einzelnen Dasein, ohne endgültige Selbstwahr-nehmung und damit ein a priori gesellschaftliches Gattungswesen, der von der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit aus ihr herausgebildet wurde, diese aber nicht genügend wiederum aus sich herausbilden konnte.
Nun kommt aber der Punkt, an dem alle allgemeine Selbstdarstellung auf der gesellschaftlichen Ebene durch das reine Gegenüber von menschlichem Individuum und Unendlichkeit dessen, was an ihm selbst zum Menschen gehört, radikal unterbrochen wird, wo also der Mensch außerstande ist, in seinem `sich realisieren Wollen´ dem hinter dem Ganzen des `zu ihm Gehörigen´ stehenden Selbstoffenbarungswillen als zu ihm Gehörigen, als sich mitteilenden, und damit als Glück seiner als eines Daseins von Sein zu erfahren.

Hier beginnt also der Mensch zu leiden, ohne dass das Leiden in seiner Negativität zugleich noch unmittelbar ein sinnvolles Hinwegarbeiten ist.

Jetzt erst wird also die reine Unendlichkeit als Aufeinanderprallen von Diastase und durch die Diastase hindurch vollkommen neue und zugleich totale Verbindung geboren. (Nur zu diesem Zeitpunkt konnte dann die Wesenheit des Christus zu einer real existierenden Gestalt werden.)

Es ist völlig klar, dass dieser radikale Ansatz, der eigentlich ein vollkommenes Ende alles Seienden und nur von daher ein neues Sein ist, erst sehr lange Zeit verschleiert werden mußte, sodass das gesamte Mittelalter über im Grunde genommen immer wieder eine Versöhnung dieses Ansatzes mit der Antike versucht wurde; er tauchte – als rein religiöses Phänomen und als rein religiöse Bewegung, im Grunde genommen aber noch nicht als Situation (d.h. noch nicht innerweltlich) – zum ersten Mal in der Reformation auf.

 

Die Romantik wollte demgegenüber, dass das Hervortreten des Einen Individuums an der Vielheit der Individuen (als Mannigfaltigkeit) zugleich zur Bewegung und damit zur Masse aller Dinge und damit zugleich persönlichen Wesenheiten wird.

Unter diesem Vorzeichen kam es dazu, dass der Riss zwischen Selbstoffenbarungswillen und Offenbarungsverwirklichung in der Romantik so präzise, nämlich regressiv als unendliche Sehnsucht und progressiv als Wahnsinn bestimmt wurde, dass darin die `alles überwindende´ Antike Form, also das Zeigen der Verbindung zu einer Überwindung in der Unüberwindlichkeit, nämlich in der Selbstanbetung der Offenbarung im Glauben, wurde.

Die Offenbarung wurde also narzisstisch und somit schwärmerisch. Die Tatsache, dass in der Romantik der Riß gewissermaßen selbst zum Trost wurde, zum `sich selbst tröstenden´, `zu sich selbst hinzutretenden´, einsamen Gott, erreichte dann im Nihilismus seine endgültige Negativität, hinter der der Glaube selbst im `rein willkürlichen sich selbst offenbar Machen´ Gottes, d.h. als im offenbaren Verschwinden Gottes als `zum Mensch Werden´, `zur Offenbarung des sich selbst machenden Gott-Menschen´, wurde.

Jetzt also sind Gott und Mensch nicht nur das Gleiche, sondern sogar dasselbe, und zwar nicht nur in einer sich immer neu ereignenden Differenz, sondern in einer ein für alle mal bestehenden. Eine solche Differenz kann aber gar nicht bestehen, weil vom Absoluten her, die Differenz zwar einerseits unaufhebbar ist, andererseits aber von eben dem gleichen Absoluten her, nämlich als `einem anderen´ eine reine Gewordenheit sein muß, die zwar in der Identität schon mitenthalten ist, aber andererseits nur hervortreten kann zu dem vollkommen zwecklosen Zweck einer immer wiederkehrenden Aufhebung, sodass also das Absolute im Gewordensein der Differenz sich nur selbstaffirmierend verändern kann. Der Kern des Absoluten in Bezug auf den `das Absolute rechtfertigenden Widerpart´ kann also nur das `in Relation ständig neue Absolute´, also die Veränderung sein.
Das Absolute ist also dasjenige, welches a priori ein totales Bedürfnis ist, und zwar ein Bedürfnis nach einem immer neuen Hervortreten des `total anderen´, welches es beinhaltet als Freiheit des Absoluten in einem Selbst.

Insofern ist der Selbstoffenbarungswille ein reines Selbst als ein `immer noch erst in der Freiheit des anderen´ Entstehens.

Die Verwirklichung, welche aus der einmal geglückten und jetzt real existierenden Freiheit des anderen fließt, ist also nichts anderes, als das `Erreichen des Selbst in der Ewigen Wiederkehr´, welche aus der Veränderung hervorgegangen ist.
Darin wird dem `zum Gott gewordenen Absoluten´ die Veränderung `verziehen´, zugleich anerkannt und aufgehoben. Zugleich `verzeiht´ das `zum Gott gewordene Absolute´ die Ewige Wiederkehr und macht sie darin von einer Wiederkehr des Gleichen zu einer völlig neuen Wiederkehr, in der das Objektive des Gleichen zwar nicht vergangen, das wiederkehrende Subjekt aber das ganz und gar andere ist.
Jetzt ist also die eine göttliche `Wesensperson´ sich so wesentlich geworden, und zwar durch ihr Tun (Veränderung) hindurch, dass sie sich durch den Menschen als `Werden des Werdens´ im Zustande des Werdens als Totalität des Seins durch das Nichts befindet.
Da keine Veränderung mehr Schaden zufügen kann, trifft also das reine Tun, gewissermaßen von einem Punkt `hinter dem Naturrest´ her, den Naturrest als vollkommen erneuerte Vollständigkeit des ganzen Naturseins.
Hierin erfüllt sich also der Nihilismus als Gott und Mensch selbst in einer zeitlich vollzogenen Gleichzeitigkeit als im `ständig verziehen Werden´ zugleich überwundene und neu bestätigte alte Natur.

Die eine unteilbare Individualität kommt also jetzt erst zum umfassen jeder Individualität in einem Ganzen (Gott), dass sie jetzt erst sein darf.
Nietzsche, der diesen Zustand einklagt, ist also jetzt, vom Vorausexistieren dieses Zustandes her, klaglos erfüllt.
Von dieser klaglosen Erfüllung der in der nackten Individualität völlig neu angelegten und in ihr gleichgesetzten Schöpfung und Neuschöpfung her, in der sich alles durch die Eine Individualität zugleich als `jede X-beliebige´ und dennoch unendlich bestimmte, immer bestimmter werdende und aus ihrer Bestimmtheit immer neu hervortretende Einzelindividualität zu sich selbst hin erfüllt, ergibt sich nun die Situation der Moderne zugleich als Nichtsituation, d.h. als fortgesetztes Handeln, das zugleich durch das Werden nicht mehr vom Sein geschieden ist.
Dadurch ist die Moderne eine auf den Begriff gebrachte Situation, deren situativer Charakter zugleich eben nur Charakter und damit – vom Werden her und auf dieses zu – ein jetzt von der selbstverständlich gewordenen Offenbarung her zugleich ein immer neues Ereignis ist.

 

 

Für die Begriffssituation der Moderne ergeben sich also jetzt folgende Grundkomponenten:

Die Moderne stellt die Selbstverständlichkeit der vorgegebenen Verbindung von Ereignis und Offenbarung in Frage, d.h. die Evidenz (’Hervorscheinen, Hervorsehen’) des Seins als eines Ereignisses und damit die Selbstverständlichkeit der Herrschaft des Geistes über die Materie.
Das heißt, im Machen muss die Materie dieser Vorrangigkeit des Geistes erst zustimmen, sodass sie durch Verifizierung zur Gegenwart gelangt und diese Gegenwart in der Vergegenwärtigung der Materie neu gibt.
Wodurch die Lücke des Menschen zur Selbstverständlichkeit (der Mensch ist das nicht Selbstverständliche) durch eine neue Selbstverständlichkeit geschlossen wird.
So geht es genau darum, die Moderne zu einer neuen Selbstverständlichkeit einer nun nicht mehr selbstverständlichen Dinglichkeit zu führen, die nicht nur ’mir gegeben’ (vorgegeben) ist, sondern der ebenso ’ich gegeben werde’. (Also die Verbindung zwischen ’Mensch’ und ’dem anderen schlechthin’; also kein fester Gegensatz: Subjekt-Objekt, sondern ein Gegensatz, der verbindet.)

Gerd Nonnenmacher