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Orden vom Goldenen Vlies



Das Goldene Vlies

Das Goldene Vlies war nach der griechischen Mythologie das Fell des goldenen Widders Chrysomeles, der fliegen und sprechen konnte. Philipp der Gute von Burgund stiftete 1430 den "Orden vom Goldenen Vlies".

Der griechische König Athamas war seiner Frau Nephele fremd geworden und hatte sich Ino, die Tochter des Kadmos, als neue Frau genommen. Ino hasste ihre Stiefkinder, Helle und insbesondere den Thronanwärter Phrixos, da sie einen eigenen Sohn haben wollte, der das königliche Erbe antreten sollte.
Nephele merkte, dass ihre Kinder wegen der Eifersucht der Stiefmutter in Gefahr schwebten und erbat die Hilfe der Götter, worauf Hermes Chrysomeles zu ihr sandte. Der Widder nahm die Kinder auf seinen Rücken und trug sie fort. Er stieg in die Luft und flog nach Osten. Als er die Meerenge überquerte, die Europa und Asien trennt, rutschte Helle von seinem Rücken und fiel ins Wasser. Der Widder setzte Phrixos sicher in Kolchis ab, einem Land am Schwarzen Meer, das von König Aietes regiert wurde.
Dort wurde er gastlich empfangen, und aus Dankbarkeit, dass die Götter sein Leben bewahrt hatten, opferte man Chrysomeles im Tempel des Zeus. Phrixos gab dann Aietes das wertvolle Goldene Vlies, der es im heiligen Hain vom Gott Ares aufhängte und von einem Drachen bewachen ließ, der niemals schlief.

Später raubten die Argonauten unter Führung Jasons und mit Hilfe der Medea das Vlies des Chrysomeles und brachten es nach Iolkos, wo es dem Pelias übergeben wurde. Geschichten, die den weiteren Verbleib des Vlies beschreiben, haben sich nicht erhalten.


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Der Orden vom Goldenen Vlies wurde am 10. Januar 1430 anlässlich der Vermählung von Prinzessin Isabella von Portugal und Philipp dem Guten, Herzog von Burgund, in Brügge, den angesehensten Adligen seiner Länder gestiftet, nachdem er die Mitgliedschaft im Hosenbandorden abgelehnt hatte. Der Orden wurde auch Ordre de la toison d`or, el Toyson de oro, el Tusan, in frühesten Zeiten auch der Ritterorden des güldenen Lämbleins von Burgund oder des belgischen Schäpers, genannt.

Am 30. November ist Ordenstag, an diesem Tag werden noch heute in einer feierlichen heiligen Messe neue Mitglieder in den Orden aufgenommen. Der Orden vom Goldenen Vlies ist das Bindeglied zwischen den beiden Bedeutungen des Wortes "Orden": ursprünglich eine Gemeinschaft von Rittern nach dem Vorbild der Mönchsorden, wurde es immer mehr zu einem vom Kaiser verliehenen Privileg als Belohnung für Verdienste, ihm anzugehören. So hat sich der Wortsinn "Ehrenbezeugung" entwickelt.
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Geschichte des Ordens

Nach dem Aussterben der Burgundischen Herzöge 1477 ging der Orden auf die spanische Linie der Habsburger über. Als im Jahre 1700 der letzte spanische König aus dem Hause Habsburg verstarb, teilte sich der Orden in zwei Linien auf. Sowohl der spanische Zweig, der Zweig der Bourbonen, als auch der österreichische Zweig der Habsburger existieren noch heute, jedoch hat der spanische Zweig viel von seiner ursprünglichen Bedeutung verloren. Die Republik Österreich erkannte am 23. Juli 1953 dem Vorstand des Hauses Habsburg das Verleihungsrecht des Ordens zu.


Ordensgrundsätze und Privilegien

Der Orden hält alle seine Mitglieder wie ein unzertrennliches Band zusammen. Alle Ordensmitglieder sind gleichberechtigt und sollen sich brüderlich verhalten. Die maximale Anzahl der Ritter war ursprünglich auf 30 begrenzt. Neben dem Orden des Goldenen Vlieses durften die Ritter keinem anderen Orden angehören. Diese Regeln wurden jedoch im Laufe der Zeit gelockert. Die Ordensritter wurden von allen Abgaben freigestellt und unterlagen nur einer Gerichtsbarkeit, der Gerichtsbarkeit des Ordens selbst. Diese Gerichtsbarkeit setzte sich aus den 30 Ordensrittern und dem Ordenssouverän, bzw. dessen Stellvertreter, zusammen. Bei allen Feierlichkeiten bei Hofe hatten sie Vorrang und Vortritt, mit Ausnahme von gekrönten Häuptern. Die spanischen Ordensritter erhielten von König Philipp das Recht, jederzeit unangemeldet in die Gemächer des Palastes einzutreten und ihr Haupt vor dem König bedeckt zu halten.
Das Ziel des Ordens war die Erhaltung des katholischen Glaubens, der Schutz der Kirche und die Wahrung der unbefleckten Ehre des Rittertums. Er war der Jungfrau Maria gewidmet und hatte den Apostel und Märtyrer Andreas zum Schutzpatron.
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Emblem des Ordens

Das Ordenszeichen ist das Bild eines Widderfells mit einem blauemaillierten Feuerstein und den Worten: "Pretium laborum non vile" (Kein geringer Preis der Arbeit).


Die Kette des Ordens

Die Kette besteht symbolisch aus den 31 Gliedern, für jeden Ordensritter ein Glied, wobei der Ordenssouverän durch zwei Glieder repräsentiert wird. Wie eine Kette nur dann hält, wenn jedes Glied hält, so soll auch der Orden durch jedes einzelne Glied an Zusammenhalt gewinnen. Die Glieder bestehen aus Feuereisen und Feuerstein und tragen ein daran hängendes Vlies.
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Großmeister des Ordens

1. Philipp der Gute; Herzog von Burgund 10. Januar 1430-15. Juni 1467
2. Karl der Kühne; Herzog von Burgund 15. Juni 1467-5. Januar 1477
3. Maximilian I.; Römischer Kaiser 30. April 1478-27. März 1482
4. Philipp I. der Schöne; König von Spanien, Herzog von Burgund 27. März 1482-25. September 1506
5. Karl V.; Römischer Kaiser, König von Spanien 25. September 1506-22. Oktober 1555
6. Philipp II.; König von Spanien, Portugal und England 22. Oktober 1555-13. September 1598
7. Philipp III.; König von Spanien und Portugal 13. September 1598-31. März 1621
8. Philipp IV.; König von Spanien und Portugal 31. März 1621-17. September 1665
9. Karl II.; König von Spanien 17. September 1665-1. November 1700 Großmeister des Ordens (Spanien)
1. Philipp V.; König von Spanien, erster Souverän des Hauses Bourbon des Ordens vom Goldenen Vlies (1700-1724)
2. Ludwig I.; König von Spanien (1724)
1. Philipp V.; König von Spanien, zweite Amtszeit (1724-1746)
3. Ferdinand VI.; König von Spanien (1746-1759)
4. Karl III.; König von Spanien (1759-1788)
5. Karl IV.; König von Spanien (1788-1808)
6. Ferdinand VII.; König von Spanien (1808-1833)
7. Isabella II.; Königin von Spanien (1833-1841)
General Baldomero Espartero als Regent (1841-1843)
Joaquin Marie Lopez, provisorisches Gouvernement (1843)
7. Isabella II. (1843-1868)
Duc Du Torre (1868-1870)
Amadeus I.; König von Spanien (1870-1873)
8. Alfons XII.; König von Spanien (1874-1885)
9. Alfons XIII.; König von Spanien (1886-1941)
10. Don Juan de Bourbon; Graf von Barcelona (1941-1975)
11. Juan Carlos I.; König von Spanien (1975-)
Großmeister des Ordens (Österreich)
10. Karl VI.; Römischer Kaiser, König von Spanien 1. November 1700-20. Oktober 1740
11. Franz I.; Römischer Kaiser, Herzog von Lothringen 20. Oktober 1740-18. August 1765
12. Joseph II.; Römischer Kaiser 18. August 1765-20. Februar 1790
13. Leopold II.; Römischer Kaiser 20. Februar 1790-1. März 1792
14. Franz II./I.; Römischer Kaiser, Kaiser von Österreich 1. März 1792-2. März 1835
15. Ferdinand I.; Kaiser von Österreich 2. März 1835-2. Dezember 1848
16. Franz Joseph I.; Kaiser von Österreich 2. Dezember 1848-21. November 1916
17. Karl I.; Kaiser von Österreich 21. November 1916-1. April 1922
18. Otto von Habsburg; Chef des Hauses Österreich 1. April 1922-30. November 2000
19. Karl (II.) seit 30. November 2000
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Ordensträger

Bis 1961 gab es 1282 Verleihungen des Ordens.
1463 - Philippe Pot
1546 - Lamoral Graf von Egmond
1546 - Fernando ÿlvarez de Toledo, Herzog von Alba
1546 - Philipp Lalaing Graf von Hoogstraten
1546 - Cosimo I. de' Medici
1546 - Albrecht V. von Bayern
1546 - Ottavio Farnese
1546 - Emanuel Philibert von Savoyen
Ambrosio Spinola
Wilhelm von Baden
Günther Reichsfreiherr von der Goltz
1686 - Eugen von Savoyen
1691 - Ludwig Wilhelm von Baden
1770 - Franz Moritz Graf von Lacy
1830 - Ignaz Graf Gyulay
1888 - Alfred von Edinburgh
Franz Josef II. von Liechtenstein
Torquato Fernandez de Miranda
Maximilian Freiherr von Wimpffen

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Literatur und Filme

„Die Argonauten”, Die Griechische Mythologie, nacherzählt von Gustav Schwab,
„Das goldene Vlies” (Dichtung), dramatisches Gedicht von Franz Grillparzer, 1822
„Médée”, Oper von Luigi Cherubini
„Tim und das Geheimnis um das Goldene Vlies”, Spielfilm, 1960, Buch: Hergé
„Jason und die Argonauten”, Spielfilm 1963, Regie: Don Chaffey (für die damalige Zeit mit bahnbrechender Tricktechnik von Ray Harryhausen)
„Medea” (Film), Spielfilm von Pier Paolo Pasolini, 1969
„Die Argonauten”, Buch von Stephan Hermlin, 1974
„Jason und der Kampf um das Goldene Vlies”, Fantasy-Kinofilm, USA 2000. Regie: Nick Willing
„Medea: Stimmen”, Buch von Christa Wolf, 1996