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Der Isenheimer Altar
Der Isenheimer Altar des Antoniterklosters in Isenheim (heute in Colmar )
ist das Hauptwerk von Matthias Grünewald , und zugleich ein Hauptwerk deutscher
Malerei. Seine Entstehungszeit ist unsicher; er wurde vermutlich in den Jahren
1506 bis 1515 von Grünewald geschaffen. Die Skulpturen und das Schnitzwerk,
das dem Altar eine Höhe von insgesamt acht Meter gab, stammen vermutlich von
Niklaus von Hagenau . Es handelt sich um einen sogenannten Wandelaltar mit
drei Schauseiten. Die erste Schauseite zeigt die Kreuzigung Christi. Bis 1793
befanden sich die Tafeln in der Kirche in Isenheim. Zwei junge Kommissare
der jungen Französischen Republik ließen die Gemälde und die Skulpturen der dritten Schauseite dann in die Distriktshauptstadt Colmar transportieren,
um eine sicherere Aufbewahrung der Gemälde sicherzustellen. Das Schnitzwerk
verblieb in Isenheim und ist seit 1860 verschwunden. Die drei Schauseiten
stehen heute getrennt in Colmar im Musée d´Unterlinden.
Hintergrund: Der Antoniterorden
Der Orden der Antoniter war um 1070 in Saint-Antoine en Viennose, einem kleinen
Dorf zwischen Valence und Grenoble neu gegründet worden. Es ist ein sogenannter
Bettelorden, zu dessen Aufgaben die Krankenpflege gehörte. Die Mönche nahmen
sich besonders an der damals weitverbreitenden Mutterkornvergiftungen Erkrankten
an. Die Vergiftung mit diesem Pilz, der das Getreide und zwar insbesondere
Roggen befiel, löste stark brennende Schmerzen aus, die man zu der damaligen
Zeit "Heiliges Feuer" oder Antoniusfeuer nannte. Ziel des Ordens war es, sich
der zahlreichen Kranken anzunehmen, um so Heilung oder Schutz vom heiligen
Antonius zu erbitten. In Pestzeiten wie beispielsweise während der Zeit des
Schwarzen Todes nahmen die Antoniusspitäler auch diese Kranken auf. Das Antoniterkloster
in Isenheim im Elsass lag an der alten Römerstraße Main -Basel , die von Pilgern
sowohl auf ihrer Wallfahrt nach Santiago de Compostela als nach Rom genutzt
wurde. Der Isenheimer Altar war für die Kapelle des Spitals bestimmt. Kranke
wurden zu Beginn ihrer medizinischen Behandlung vor den Altar geführt, da
man hoffte, dass entweder der hl. Antonius ein Wunder wirken werde oder der
Kranke zumindest geistlichen Trost aus der Betrachtung des Altars gewinnen
würde. Nach mittelalterlicher Auffassung waren Meditationsbilder, zu denen
auch der Isenheimer Altar zählte, "quasi medicina": vom Bild konnte Heil und
Gesundung ausgehen, wenn der Betrachter sich mit den auf den Bildern dargestellten
Figuren identifizierte, und dabei eine geistige Kräftigung erfuhr, die ihn
körperlichen Schmerzen vergessen ließ.
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Konzeptioneller Aufbau des Isenheimer Altars

Der Isenheimer
Altar ist ein sogenannter Wandelaltar - im Ablauf des liturgischen Kirchenjahres
wurden die Flügel geöffnet, so dass diejenigen Bildteile gezeigt wurden, die
zum jeweiligen Kultus passten. Insgesamt besitzt der Altar drei Schauseiten;
normalerweise hatten solche Wandelaltäre lediglich zwei Schauseiten. Im Zentrum
des Altars befindet sich ein hölzerner Altarschrein. Gekrönt war der Altar mit einem filigran geschnitzten und vergoldeten Maßwerk. Während bei der Stuppacher
Madonna vor allem die Visionen der heiligen Birgitta von Schweden im Bildprogramm
eine Rolle spielen, sind es hier die Visionen der Hildegard von Bingen.
Anker
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Die erste Schauseite
Während der
Advents- und Fastenzeit war der Altar geschlossen. Zu sehen war dann die Kreuzigungstafel,
die von den Heiligen Antonius und Sebastian flankiert ist, und die Predella
mit der Beweinung Christi (gelegentlich auch als "Grablegung Christi" bezeichnet).
Dieser Altarzustand wird die erste Schauseite genannt.
Mit einer Höhe von 269 Zentimetern und einer Breite von 307 Zentimetern ist
die Kreuzigungstafel die größte Kreuzigung, die in der europäischen Malerei
geschaffen wurde. Leicht nach rechts versetzt dominiert das Kreuz die mittlere
Tafel; das Querholz des Kreuzes ist leicht gebogen und setzt sich ellipsenförmig
in den beiden Heiligenfiguren rechts und links fort. Die Gegenbewegung zur
oberen Ellipse bildet in der Predella der Leichnam Christi, dessen Oberkörper
von Johannes leicht angehoben wird.
Die Anbringung der beiden Standflügel ist in der Kunsthistorie lange Zeit
umstritten gewesen. Die Anbringung des hl. Antonius auf der vom Betrachter
linken Seite, die des Sebastian auf der rechten Altarseite war von der ersten
Veröffentlichung über das Werk Grünewalds durch Heinrich Alfred Schmid im
Jahre 1911 bis in die 1960er Jahre die allgemein akzeptierte. Die Pfeiler
wirkten bei dieser Anordnung wie einer Rahmung der Mitteltafel; beide Figuren
wendeten sich - wie auf der Abbildung der ersten Schauseite zu sehen - der
Kreuzigung zu.
Seit 1965 ist im Musee d'Unterlinden in Colmar die erste Schauseite mit einer
anderen Anordnung zu sehen. Zu dieser Veränderung haben zum einen beigetragen,
dass sich die Scharniere an den Standflügeln jeweils an der anderen Seite
befanden, und dass Franz Christian Lerse, der im Jahre 1781 als einziger eine
umfangreiche Beschreibung des durch die Revolution nicht zerstörten Altars
lieferte, gleichfalls diese Anordnung beschrieb. Die Figuren weisen zwar in
dieser Aufhängungsweise von der Bildtafel weg, das helle Fenster im Standflügel
des hl. Sebastian und der Butzenscheibenteufel im Standflügel befinden sich
jedoch nicht mehr in unmittelbarer Nähe zu der dunklen Kreuzigungstafel.
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Die zweite Schauseite
Die Predella mit der Beweinung Christi ist auch dann zu sehen, wenn nach
der ersten Öffnung der Altarflügel die zweite Schauseite zu sehen war. Sie
erinnert dann auch während der festlichen Weihnachtszeit daran, dass der freudigen
Geburt der Kreuzestod folgen wird.
Die zwei Heiligenbilder, die im ersten Schaubild die Kreuzigungsszene flankierten,
sind von den auseinandergeklappten Flügeln des Mittelteils verdeckt. Der Blick
wird dadurch frei auf das Mittelbild, das sogenannte Engelskonzert und die
Menschwerdung Christi . Das mittlere Bild kann man, ähnlich wie die Kreuzigungstafel,
deren Teilbarkeit für den fernen Betrachter fast unkenntlich ist, als eines
betrachten. Grünewald hat diese Mitteltafel so gemalt, dass das Engelskonzert über den Rahmen des Bildes hinausgeht. Ein schwarzer Vorhang bildet den Bezug
zum rechten Bild der Mitteltafel.
Flankiert wird dieses weihnachtliche Mittelbild von der Verkündigung und von
der Auferstehung, die beide ikonographisch ungewöhnlich sind.
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Die dritte Schauseite
Nach der zweiten Öffnung wird der Kern des Wandelaltars
freigelegt; die Schreinsplastik, die vermutlich von Niklaus von Hagenau stammt.
Er zeigt in vergoldeten Skulpturen die Heiligen Antonius , Augustinus und
Hieronymus . Hieronymus ist mit dem Löwen dargestellt, den er heilte, und
wendet sich Antonius zu, der in der Mitte des Schreines thront. Unten an den
Seiten des Antonius erscheint ein barhäuptiger Bürger, der einen Hahn opfert,
und ein Bauer, der ein Schwein darbringt. Augustinus erscheint im linken Feld
des Schreins, weil auf ihn die Kloster-Regeln der Antoniter zurückgehen. Wie
auf dem Orliaco-Altar ist auch hier Johann de Orliaco abgebildet, der diese
1505 vollendeten Plastiken stiftete.
In der Predella sind dann, ebenfalls als Schnitzplastiken, Christus und die
Aposteln zu sehen. Diese sogenannte dritte Schauseite ist fast völlig der
Verehrung des heiligen Antonius gewidmet und zeigt auf den beiden Altarflügeln
Szenen aus dem Leben des Antonius. Links ist das Wunder, das sich bei der
Begegnung des Heiligen Antonius mit Paulus Eremita ereignete, und rechts die
Versuchung des Antonius dargestellt. Auf diese Darstellung spielte schon der
Seitenflügel der ersten Schauseite an, auf der hinter Antonius ein kleiner
weiblicher Teufel zu sehen ist. Die links unten auf dieser Tafel dargestellte
Figur weist die charakteristischen Symptome der Mutterkornvergiftung auf.
Diese dritte Schauseite wurde nur am 17. Januar, dem Namensfest des Heiligen
Antonius aufgeschlagen.
Werkverzeichnis
1.
|
»Verspottung Christi«, München
|
|
1503
|
2.
|
»Kreuzigung Christi«, Basel, |
um
|
1505
|
3.
|
»Hl. Laurentius« (Standflügel), Frankfurt a. M.
|
um
|
1510-12
|
4.
|
»Hl. Elisabeth« (Standflügel), Donaueschingen
|
um
|
1510-12
|
5.
|
»Hl. Cyriakus« (Standflügel), Frankfurt a. M.
|
um
|
1510-12
|
6.
|
»Hl. Lucia« (Standflügel), Donaueschingen |
um
|
1510-12
|
7.
|
»Hl. Antonius« (linker Standflügel)
|
um
|
1513-15
|
8.
|
»Kreuzigung Christi« (linker und rechter Außenflügel außen)
|
um
|
1513-15
|
9.
|
»Hl. Sebastian« (rechter Standflügel)
|
um
|
1513-15
|
10.
|
»Beweinung Christi« (2 Predellenklappen) |
um
|
1513-15
|
11.
|
»Verkündigung an Maria« (linker Außenflügel innen)
|
um
|
1513-15
|
12.
|
»Weihnachtsbild« (linker und rechter Innenflügel außen)
|
um
|
1513-15
|
13.
|
»Auferstehung Christi« (rechter Außenflügel
innen)
Geöffneter Zustand: 2. Wandlung
|
um
|
1513-15
|
14.
|
»Hl. Antonius beim hl. Paulus« (linker Innenflügel innen)
|
um
|
1513-15
|
15.
|
»Versuchung des hl. Antonius« (rechter Innenflügel innen)
|
um
|
1513-15
|
16.
|
»Das Schneewunder« (Flügel eines Altars),Freiburg i.Br.
|
|
1517-19
|
17.
|
»Maria mit Kind«, Stuppach bei Würzburg
|
um
|
1518
|
18.
|
»Kleine Kreuzigung«, Washington (D.C.)
|
um
|
1519-20
|
19.
|
»Die Heiligen Erasmus und Mauritius«, München
|
um
|
1521-23
|
20.
|
»Beweinung Christi«, Aschaffenburg |
um
|
1524-25
|
21.
|
»Kreuzigung Christi«, Karlsruhe
|
um
|
1525
|
22.
|
»Kreuztragung Christi« , Karlsruhe
|
um
|
1525
|
mmmmUMSTRITTENE WERKE
|
|
|
|
|
»Lindenhardter Altar«, Lindenhardt bei Bayreuth
|
||
23.
|
»Christus als Schmerzensmann« (Rücktafel)
|
|
1503
|
24.
|
»Acht Nothelfer« (linker Flügel außen)
|
|
1503
|
25.
|
»Sechs Nothelfer« (rechter Flügel außen)
|
|
1503
|
